Bitte Deutsch oder doch nicht?

Fachbegriffe sind hip und zeitgemäss. Die bekanntesten Anglizismen aus der Personalarbeit haben wir für Sie in unserem Glossar erläutert.

Neulich wurde ich von einem Unternehmer gefragt: „Salva, was ist eigentlich New Work?“ Er hätte anfänglich immer an New York gedacht und es fälschlicherweise auch oft so ausgesprochen. Er, ein Unternehmer gesetzten Alters, 25 Mitarbeitende, Engineering, Produktion und Verwaltung. Keine Personalabteilung, er macht alles selber; unterstützt wird er durch ein eher schlankes Sekretariat. Wann, bitteschön, solle er sich denn auch noch um New Work und Co. kümmern? Nun, ich habe ihm ein paar Beispiele für New Work genannt, damit er eine Vorstellung davon bekommt. Er hat sich herzlich dafür bedankt.

 

In einem anderen Gespräch hat mir ebenfalls ein Unternehmer erzählt, dass er gerade dabei sei, sein Employer-Branding aufzupolieren. Interessiert entgegnete ich ihm, wie er denn diesen Prozess angestossen und was er dazu schon unternommen habe. Verdutzt schaute er mich an und fragte, welchen Prozess? Er sei dabei, sein Unternehmen in den sozialen Medien zu präsentieren und baue mit einer Agentur die Unternehmensseiten auf. Na ja, Employer-Branding ist viel mehr, als nur der Auftritt im World Wide Web oder das Design eines neuen Logos. Employer-Branding ist auch eine Frage der Kultur.

Es entstehen Missverständnisse

Diese zwei Erlebnisse – und mögen sie noch so bedeutungslos sein – haben mich nachdenklich gestimmt. Wir gehen mit Fachbegriffen oft etwas leichtfertig um. Es ist natürlich hip, zeitgemäss und hört sich auch cool an, wenn man mit Anglizismen, die mittlerweile auch im Human-Resource-Management, was übrigens mit Personalarbeit im weiteren Sinne übersetzt werden kann, Einzug gehalten haben, nur so um sich werfen kann. Allerdings sollte man vielleicht besser auch deren Bedeutung kennen oder aber sicherstellen, dass alle vom Gleichen sprechen. Sonst können rasch Missverständnisse entstehen. Zum Beispiel: Ein typisches KMU entscheidet sich, eine Personalfachkraft einzustellen. Und wo er, der Unternehmer selbst, früher noch von Personalbeschaffung, Weiterbildung oder Gratifikation sprach und wusste, was damit gemeint ist, bekundet er heutzutage Mühe. Weil ihm seine neue Personalabteilung, die übrigens in «Human-Resource-Management» umbenannt werden wollte, plötzlich von E-Recruiting, Talent-Management, oder Fringe-Benefits spricht. Alle Welt redet fast nur noch von Change-Management, Employer-Branding, von Active Source, Agile HR und vielem mehr.

Anglizismen sind allgegenwärtig

Man spricht auch in den Personalabteilungen «kein Deutsch» mehr. Durch die Globalisierung, die Internationalität und weil eben die Welt so zusammengerückt ist, hat sich die englische Sprache in der Betriebswirtschaft durchgesetzt. Was früher nur IT- oder Marketing- und Werbefachleute kannten, nämlich sich ausschliesslich in Anglizismen zu unterhalten und auszutauschen, hat nun auch die Personalabteilungen bei uns erreicht. Man rekrutiert eben auch hier zu Lande international. Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen kreativ zu sein und sich auch ausserhalb des deutschsprachigen Raumes nach Talenten umzusehen. International operierende Unternehmen bieten Arbeitsprogramme an mit internationalem Austausch. Persönlich finde ich das toll. Es bereichert unseren beruflichen Alltag und wir können alle voneinander lernen.

Glossar mit Anglizismen aus der Personalarbeit

Wegen der beiden kleinen Geschichten und weil auch die Personalarbeit immer «englischer» wird und es viele KMU gibt, die sich damit auseinandersetzen möchten, bin ich auf die Idee gekommen ein kleines Glossar zu erstellen. Und zwar ausschliesslich mit Anglizismen aus der Personalarbeit. Dieses Glossar ist nicht abschliessend. Auch erhebe ich keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Die Begriffe sind grob umschrieben und einfach erklärt, so dass sogar ich sie mir merken kann. Interessierte haben auch die Möglichkeit, sollte ein von Ihnen gesuchter Begriff nicht aufgeführt sein, mir diesen zu melden und ich werde ihn in das Glossar aufnehmen. Ich wünsche nun weiterhin viel Spass, und, wer weiss, vielleicht reden wir ja mal persönlich über Employer-Branding, Recruitment, den War of Talent oder die Generation Alpha.