Führung, die wirkt

Gute Führung zeigt sich im Alltag. Es stellt sich nicht nur die Frage, was eine Führungskraft entscheidet, sondern auch, wie sie führt.

Montagmorgen, nach einem erholsamen Wochenende erscheinen Sie mit einem klaren Tagesplan im Büro. Doch dann: Zwei Mitarbeitende sind krank, eine wichtige Kundenbestellung muss heute fertig werden und ein erfahrener Mitarbeiter beschwert sich darüber, dass «immer alles an ihm hängen bleibt». Gleichzeitig wartet im Büro bereits die nächste Anfrage, und für ein klärendes Gespräch scheint gerade keine Zeit zu sein.

Solche Situationen gehören in vielen KMU zum Führungsalltag. Führung findet selten unter idealen Bedingungen statt. Sie geschieht mitten im Tagesgeschäft: zwischen Kundenanfragen, Termindruck, personellen Engpässen und unterschiedlichen Erwartungen.

Gerade deshalb stellt sich eben nicht nur die Frage, was eine Führungskraft entscheidet, sondern auch wie sie führt.

Wenn die bisherige Art zu führen nicht mehr ausreicht

Viele Führungskräfte sind aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz in ihre Rolle hineingewachsen. Sie kennen den Betrieb, übernehmen Verantwortung und sind es gewohnt, Probleme pragmatisch zu lösen.

Doch mit der Führungsrolle verändern sich die Anforderungen. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, selbst gute Arbeit zu leisten. Führungskräfte müssen Orientierung geben, Aufgaben delegieren, Erwartungen klären, Konflikte ansprechen und Mitarbeitende in Veränderungen mitnehmen.
Was fachlich sinnvoll erscheint, führt menschlich nicht automatisch zum gewünschten Ergebnis.

Ein Beispiel: Eine Führungskraft erklärt einem Mitarbeiter zum wiederholten Mal sehr genau, wie eine Aufgabe erledigt werden soll. Sie möchte sicherstellen, dass nichts schiefläuft. Der Mitarbeiter erlebt die detaillierten Anweisungen jedoch als Misstrauen. Er bringt immer weniger eigene Ideen ein und wartet zunehmend auf Vorgaben.
Beide Seiten handeln aus ihrer Sicht nachvollziehbar. Trotzdem entsteht eine Dynamik, die weder der Zusammenarbeit noch dem Unternehmen dient.

Wirksame Führung beginnt deshalb mit der Bereitschaft, nicht nur das Verhalten einzelner Personen zu betrachten, sondern auch die Wechselwirkungen im Team und im Unternehmen

Führung ist mehr als klare Ansagen

Klare Entscheidungen und verbindliche Vorgaben sind wichtig. Ebenso wichtig ist es, zu erkennen, welche Form von Führung eine konkrete Situation benötigt.

Eine neue Mitarbeiterin braucht möglicherweise mehr Orientierung als ein langjähriger Fachmitarbeiter. In einer Krisensituation sind rasche Entscheidungen gefragt. Bei der Entwicklung einer neuen Lösung kann es hingegen sinnvoll sein, das Wissen des Teams einzubeziehen.
Wirksame Führung bedeutet nicht, immer gleich zu handeln. Sie bedeutet, bewusst zu entscheiden:

  • Was braucht die Situation?
  • Was braucht das Team?
  • Was braucht die einzelne Person
  • Und was braucht das Unternehmen?


Diese Fragen helfen, den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern. Statt automatisch zu reagieren, entsteht die Möglichkeit, gezielter zu führen.

Nicht jedes Problem muss von der Führungskraft gelöst werden

Ein häufiges Muster im KMU-Alltag zeigt sich bei Rückfragen und Problemen. Mitarbeitende kommen mit einer Schwierigkeit zur Führungskraft, und diese liefert möglichst rasch eine Lösung.

Das ist verständlich und kurzfristig oft effizient. Langfristig kann dadurch jedoch eine ungünstige Abhängigkeit entstehen. Die Führungskraft wird zur Anlaufstelle für jedes Problem, während die Mitarbeitenden immer seltener eigene Lösungen entwickeln.
Eine kleine Veränderung in der Gesprächsführung kann bereits viel bewirken. Statt sofort eine Antwort zu geben, kann die Führungskraft fragen:
«Was hast du bereits versucht?»

«Welche Möglichkeiten siehst du?»

«Was brauchst du von mir, damit du weiterkommst?»

Damit gibt die Führungskraft die Verantwortung nicht einfach ab. Sie unterstützt den Mitarbeiter dabei, seine eigenen Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten zu nutzen.

Das entlastet die Führungskraft und stärkt gleichzeitig die Selbstständigkeit im Team.

Unausgesprochene Erwartungen führen zu Missverständnissen

In den meisten Konflikten geht es weniger um böse Absichten als um unterschiedliche Vorstellungen.

Eine Führungskraft erwartet, dass Mitarbeitende selbstständig informieren, sobald ein Termin gefährdet ist. Ein Mitarbeiter geht hingegen davon aus, dass er sich erst meldet, wenn er das Problem nicht mehr allein lösen kann.
Bleiben solche Erwartungen unausgesprochen, entstehen schnell Vorwürfe:

«Warum hast du nichts gesagt?»

«Ich wollte zuerst eine Lösung finden.»

«Du musst mich früher informieren.»

Beide Seiten glauben, richtig gehandelt zu haben.
Wirksame Führung macht Erwartungen besprechbar. Sie klärt nicht nur, welches Ergebnis erreicht werden soll, sondern auch:

  • Wer entscheidet was?
  • Wann muss informiert werden?
  • Welche Verantwortung liegt bei der Führungskraft?
  • Welche Verantwortung liegt beim Mitarbeitenden?
  • Woran erkennen beide Seiten, dass die Aufgabe gut erfüllt ist?


Solche Klärungen kosten zunächst Zeit. Im Alltag verhindern sie jedoch Rückfragen, Doppelspurigkeiten und unnötige Konflikte.

Veränderungen brauchen Orientierung

Neue Abläufe, personelle Wechsel, Wachstum, Kostendruck oder eine bevorstehende Nachfolge verändern nicht nur Prozesse und Organigramme. Sie beeinflussen auch die Zusammenarbeit, die Rollen und das Sicherheitsgefühl der Mitarbeitenden.

Führungskräfte unterschätzen manchmal, wie unterschiedlich Veränderungen erlebt werden. Was für die Geschäftsleitung ein notwendiger Entwicklungsschritt ist, kann bei Mitarbeitenden Unsicherheit auslösen:

«Was bedeutet das für meine Stelle?»

«Warum wird verändert, was bisher funktioniert hat?»

«Werde ich künftig noch gebraucht?»

Widerstand ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen mangelnder Bereitschaft. Er kann ein Hinweis darauf sein, dass wichtige Fragen noch unbeantwortet sind.

Wirksame Führung nimmt solche Reaktionen ernst, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Sie schafft Orientierung, erklärt Zusammenhänge und macht deutlich, was bereits entschieden ist und wo Mitarbeitende mitgestalten können

Schwierige Gespräche werden nicht leichter, wenn man sie aufschiebt

Viele Führungskräfte wissen früh, wenn etwas nicht stimmt. Eine Mitarbeiterin hält Abmachungen nicht ein. Ein Teammitglied reagiert wiederholt abwertend. Die Leistung eines Mitarbeiters nimmt sichtbar ab.

Trotzdem werden klärende Gespräche oft hinausgeschoben. Vielleicht fehlt die Zeit. Vielleicht besteht die Hoffnung, dass sich die Situation von selbst verbessert. Vielleicht möchte die Führungskraft die gute Beziehung nicht gefährden.
Meist geschieht das Gegenteil: Das Problem wird grösser, der Ärger nimmt zu und die Wahrnehmung verfestigt sich.

Ein wirksames Führungsgespräch benennt Beobachtungen konkret und respektvoll. Statt:

«Deine Einstellung stimmt nicht»,

kann die Führungskraft sagen:

«Wir haben vereinbart, dass du mich informierst, sobald ein Liefertermin gefährdet ist. In den letzten zwei Wochen habe ich zweimal erst durch den Kunden davon erfahren. Ich möchte mit dir klären, wie wir das künftig sicherstellen.»

Damit wird nicht die Person bewertet. Besprochen wird ein konkretes Verhalten und dessen Wirkung

Führung beginnt bei der eigenen Haltung

Methoden und Gesprächstechniken sind hilfreich. Entscheidend ist jedoch die Haltung, mit der sie eingesetzt werden.

Sehe ich Mitarbeitende vor allem als Personen, die angeleitet und kontrolliert werden müssen? Oder gehe ich davon aus, dass Menschen grundsätzlich Verantwortung übernehmen und einen guten Beitrag leisten möchten, wenn Rahmenbedingungen und Erwartungen geklärt sind?
Kann ich anerkennen, dass andere eine Situation anders wahrnehmen als ich? Bin ich bereit, meine eigene Wirkung zu überprüfen? Und kann ich gleichzeitig klar bleiben, wenn Entscheidungen getroffen oder Grenzen gesetzt werden müssen?

Wirksame Führung verbindet Wertschätzung und Klarheit. Sie vermeidet sowohl unnötige Härte als auch falsch verstandene Harmonie

Führung kann gelernt und weiterentwickelt werden

Führungskräfte müssen nicht auf jede Situation sofort die perfekte Antwort haben. Sie brauchen jedoch Möglichkeiten, ihr Handeln zu reflektieren, neue Vorgehensweisen auszuprobieren und sich mit anderen Führungskräften auszutauschen.

Genau hier setzt der Workshop «Führung, die wirkt» an.

Anhand konkreter Situationen aus dem KMU-Alltag beschäftigen sich die Teilnehmenden unter anderem mit folgenden Fragen:

  • Wie gebe ich Orientierung, ohne jede Einzelheit vorzugeben?
  • Wie fördere ich Selbstverantwortung?
  • Wie spreche ich schwierige Themen frühzeitig an?
  • Wie gehe ich mit unterschiedlichen Erwartungen und Widerständen um?
  • Wie gestalte ich Veränderungen gemeinsam mit meinem Team?
  • Wie bleibe ich auch unter Druck klar und handlungsfähig?

Der Workshop verbindet praxisnahe Führungsinstrumente mit dem Austausch unter Führungskräften. Eigene Erfahrungen und aktuelle Herausforderungen aus dem Arbeitsalltag werden einbezogen. So entsteht kein allgemeines Führungsrezept, sondern ein Vorgehen, das zur eigenen Person, zum Team und zum Unternehmen passt.

Denn Führung wirkt nicht durch grosse Worte. Sie wirkt in den täglichen Gesprächen, Entscheidungen und Begegnungen.

Der Workshop kann auf Wunsch auch firmenintern als Inhouse-Training durchgeführt und direkt auf die spezifischen Herausforderungen Ihres Unternehmens zugeschnitten werden.

Wenn Sie Ihre Führung gezielt weiterentwickeln möchten, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Rufen Sie uns an oder buchen Sie direkt Ihren Platz über den untenstehenden Button.

Nächste Workshopdaten

  • Praxisnah, interaktiv und auf den Führungsalltag in KMU ausgerichtet
  • 3 Tage
  • 08.30 bis 17.00 Uhr
  • Parkhotel Winterthur
  • inkl. Mittagessen

Durchgang 2026

  • 22. Oktober 2026
  • 26. November 2026
  • 17. Dezember 2026

Durchgang 2027

  • 11. Februar 2027
  • 4. März 2027
  • 15. April 2027

Kosten

  • TGV-Mitglieder CHF 2’600.– pro Person
  • Nicht-Mitglieder TGV CHF 2’850.— pro Person

Interesse am Workshop «Führung, die wirkt»? Melden Sie sich gerne bei uns!

Montag bis Freitag von
8.30 bis 12 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr